Alles bleibt anders

 

Vor diesem Blogpost hab ich mich gedrückt, mich schwer getan und wer weiß wie oft angefangen und wieder verworfen. Zum einen weil es ein sehr persönlicher Eintrag ist und zum anderen weil ich mit so vielen unterschiedlichen Emotionen hadere.

Das Jahr 2016 hat bereits in der ersten Januarwoche damit begonnen, unsere um Silvester gemachten groben Pläne (die ganz großen Planer sind wir nicht) gleich wieder über den Haufen zu werfen.

Wegen baulichen Mängeln in der Wohnung hieß es umziehen, so bald wie möglich. Eile war geboten. Vor der Anreise zu unserem Winterurlaub mit Kleinkind waren wir noch schnell zur Wohnungsbesichtigung unserer späteren neuen Behausung. Jeder weiß  ein Umzug ist aufwendig, physisch anstrengend und kann die Paar-Beziehung unverhofft auf die Probe stellen, mal abgesehen von den finanziellen Zusatzanstrengungen. Auch nach 13 Jahren Beziehung haben wir noch immer einen sehr unterschiedlichen Geschmack bei der Inneneinrichtung. Ich war doch gerade mit meinem Wiedereinstieg in den Job nach der Elternzeit beschäftigt. Das allein erwies sich schwieriger als gedacht. Mein Respekt vor allen Familien, die ein geeignetes Modell finden. Nun hieß es einen Umzug  zu organisieren.

Die fürs Umzugskisten packen typischen Bewegungen wie Schleppen und Bücken lösten bei mir eine derartige Übelkeit aus, dass ich bald ahnte, was der Grund dafür sein könnte. Ein kleines Wunderwesen wird sich auf den Weg zu uns machen und wir werden noch in diesem Jahr zu viert sein. Die erneute Wendung der Pläne löste zuerst eine Art verhaltene Freude bei uns aus. Denn wir wussten ja, was nun auf uns zu kommen würde. Hatten wir doch gerade erst festgestellt, dass wir ganz zufrieden mit dem Alltagsrhythmus waren und es für alle gut läuft. Als Ersteltern ist die Freude so herrlich ungetrübt, zum Glück.

Eine große Hilfe beim Umzug war ich zum Leidwesen meines Liebsten nicht. Die Toilette der neuen Wohnung war nun mein neues „Lieblingszimmer“. Alles ging nur unglaublich langsam voran. Die Umzugskisten räumten sich langsamer aus, als mir lieb war und standen überall im Weg. Mir tat es weh, nicht in der Lage sein zu können mit meinem Sohnemann rauszugehen, um den Frühling zu entdecken. Als der Umzug endlich überstanden war, belohnten wir uns mit einem wunderbaren Urlaub am Meer.

Mit der Erholung stellte sich auch die Übelkeit ab und der anfängliche Respekt vor der neuen Verantwortung und Herausforderung wich der Vorfreude auf unsere kleine Maus. Wir gingen die Sache entspannt an. Schließlich braucht man für das zweite Kind nicht wirklich viel Neues.

In der 25. Schwangerschaftswoche stellte man bei mir fest, dass der Gebärmutterhals zu kurz sei, eine Frühgeburt droht und ich sofort in die Klinik müsste. Diese Aussage hat mich mit einer wahnsinnigen Wucht getroffen. Ich kam mir plötzlich so winzig auf dem Arztstuhl vor und das gesamte Universum schrumpfte zusammen und passte gefühlt in das Praxiszimmerchen. Wie soll das funktionieren, wer kümmert sich um meinen Sohn, schoss es mir durch den Kopf. Mich stilllegen, noch dazu in ein Krankenhaus?! In der ersten Schwangerschaft bin ich im 7. Monat noch zum Herzogstand gewandert. Zum Glück durfte ich nach einer Woche stationärem Aufenthalt nach Hause. Immerhin habe ich den zweiten Geburtstag meines Sohnes so miterleben können, von der Couch aus. Doch es hieß weiterhin Bettruhe bis zur 34. Woche. Das heißt zum Duschen, pieseln und Essen durfte man aufstehen, ansonsten liegen. Und das fiehl ausgerechnet in die Sommerpause der Kinderkrippe. Eine Haushaltshilfe konnte laut Auskunft diverser Sozialstationen nicht so spontan bereitgestellt werden. Die Warteliste betrug 2-3 Monate.

Auch diese schwere Zeit haben wir geschafft, irgendwie. Wir haben uns von Woche zu Woche gehangelt, mit der Hilfe und Unterstützung durch unsere Familien, Freunde und ganz lieben Nachbarn. Jetzt nach 9 Wochen Bettruhe sind wir zutiefst dankbar und erleichtert, dass es der kleinen Maus gut geht. Würde sie jetzt kommen, wäre sie kein Frühchen mehr. Sie ist schon jetzt eine kleine Kämpferin.

Nun versuche ich, nicht nur im organisatorischen Bereich aufzuholen bzw. die letzten Wochen der Schwangerschaft zu genießen sondern auch so viel Zeit wie möglich, mit meinem kleinen Wildfang zu verbringen. Aufgrund des Kugelbauches sind nur noch kurze Herbstspaziergänge zum nahegelegenen Spielplatz und Wäldchen möglich. Aber ich genieße es, ihm noch die ungeteilte Aufmerksamkeit schenken zu können.

Ich bin meinem Lieblingsmann zutiefst dankbar für seine Kraft. Dieser Mann ist mein Held. Auf meinen Sohn bin ich so unsagbar stolz. Er hat das alles am leichtesten von uns mitgemacht und er wird ein ganz toller großer Bruder werden. Da bin ich mir sicher. Man kann von Kindern viel mehr lernen, ihnen mehr zutrauen als man denkt.

Das Leben nimmt immer wieder Wendungen, die man nicht mal ansatzweise erahnen kann. Es hat mal wieder bewiesen, dass man mit der Hilfe von Familie und Freunden alles schaffen kann. Nur das Hier und Jetzt zählt und die lieben Menschen, die einen auf dem Lebensweg begleiten. Warum fällt es uns so schwer, sich dem bewusst zu sein? Stattdessen verwenden wir Energie und Zeit immer im Voraus zu planen und Dinge anzuhäufen, von denen man glaubt sie brauchen zu müssen. Diese Gehetztheit bewirkt nur, dass man sich immer weiter von sich selbst entfernt. Nur was bleibt dann übrig und was macht einen dann aus, frage ich mich?

Wenn ich mir was wünschen darf, dann bitte ein ganz kleines bisschen ganz normalen Familienalltag.

Vielen Dank an alle, die es geschafft haben bis hier hin zu lesen. Der nächste Eintrag wird kürzer versprochen.

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